Petra Roselius: Ambulante Palliativversorgung in der Samtgemeinde Thedinghausen

Heute möchten über 90 % der deutschen Bevölkerung, wenn sie gebrechlich werden oder erkranken in ihrer vertrauten Umgebung, in der Nähe von Angehörigen, Freunden und Nachbarn versorgt und gepflegt werden. Gerade im ländlichen Raum, wo die Anfahrtswege zu Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen lang sind, es Pflegepersonalmangel gibt und wo eine „gewisse Wirtschaftlichkeit“ nicht immer gegeben ist, möchten die Menschen nicht in einer fremden Einrichtung ihre letzten Lebenstage verbringen.

Sie möchten zu Hause sterben. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat der Gesetzgeber Grundsteine gelegt.

Zur speziellen ambulanten Palliativversorgung heißt es dazu: „Versicherte mit einer nicht heilbaren fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung, die eine besonders aufwendige Versorgung benötigen, haben einen Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung.“

Manchmal kommt diese Situation sehr schnell und unerwartet in die Familien und dann ist es gut, wenn man weiß an wen man sich mit Fragen wenden kann. Wichtig ist, dass es diese spezielle Versorgung auf Rezept gibt. Die sogenannte SAPV Verordnung kann jeder Arzt verordnen – der Hausarzt, der Facharzt oder der Krankenhausarzt. Bei Bedarf sollten Sie hier also direkt nachfragen.

Um eine gute Palliativversorgung zu gewährleisten, muss es ein breitgefächertes Netzwerk von vielen Akteuren geben: Einen Hausarzt oder einen Palliativmediziner, eine palliative Pflegestation, eine Apotheke, die spezielle Medikamente vorrätig hält, eine physiotherapeutische Einrichtung, Sozialarbeiter und Seelsorger.

Bei uns in der Samtgemeinde, gibt es, lt. AOK Internetseite, einen Hausarzt mit einer zusätzlichen palliativen Ausbildung. Unsere Sozialstation verfügt ab Frühjahr 2018 über drei speziell geschulte Pflegekräfte und hat sich dem „Palliativnetz im Landkreis Verden e. V.“ angeschlossen. Die Grundlagen sind bei uns also gelegt.

Neben den Ärzten kann deshalb auch das Palliativnetz Verden ein wichtiger Ansprechpartner sein, welches außerdem öffentliche Informationsveranstaltungen abhält, oder natürlich unsere Pflegestation in der Samtgemeinde.

Wir als Politikerinnen und Politiker werden dieses Thema intensiv weiter begleiten. Der Landkreis Verden hat im Mai dieses Jahres eine Umfrage mit Fragen zur Palliativversorgung und Sterbebegleitung an allen Altenpflegeheimen und ambulante Pflegedienste gestartet. Aktuell liegt uns noch kein Ergebnis vor, aber wir sind sehr gespannt. Denn obwohl unsere Samtgemeinde bereits auf einem guten Weg ist, gibt es sicherlich weiteren Handlungsbedarf, um unseren Bürgerinnen und Bürgern ein selbstbestimmtes und in ihrer Lebensqualität erhaltendes, menschenwürdiges Leben bis zum Tod zu ermöglichen.

Übrigens palliare ist lateinisch und heißt ummanteln, lindern.